Während der Wolf noch hauptsächlich als Fleischfresser durch das Leben geht, hat sich sein Nachfahre im Laufe der Domestizierung durch den Menschen zu einem Allesfresser entwickelt. Zum Leidwesen ihrer Halter gilt das für manche Hunde im wahrsten Sinne des Wortes: Sie fressen einfach alles, was ihnen vor die Nase kommt.

In diesem Artikel werden wir die verschiedenen Gründe erforschen, warum Hunde dieses Verhalten zeigen. Du wirst verstehen, was hinter der Vorliebe deines Vierbeiners steckt, alles zu fressen, und erhältst praktische Tipps, wie du ihm dieses Verhalten abgewöhnen kannst. Ob es um instinktives Verhalten, Langeweile oder mögliche gesundheitliche Probleme geht – wir haben Antworten und Lösungen für dich.

Warum frisst mein Hund wirklich alles?

Die Beschäftigung mit dem Verhalten von Hunden ist bereits seit einigen Jahren ein medialer Trend. Manche Experten wie der selbsternannte Hunde-Profi Martin Rütter haben ihre gesamte Karriere darauf aufgebaut. Und dennoch kann es schwierig sein, bestimmte Verhaltensweisen zu deuten. In den folgenden Abschnitten werden wir dennoch mögliche Gründe für das vermeintlich wahllose Fressen vom Boden benennen.

Er ist hungrig

Ein weiterer Grund, warum Hunde alles fressen, ist schlicht und ergreifend Hunger. Wenn der Hund nicht ausreichend oder regelmäßig gefüttert wird, sucht er nach Nahrung, wo immer er sie finden kann. Auch ein erhöhter Energiebedarf, etwa durch viel Bewegung oder Wachstum, kann dazu führen, dass der Hund ständig hungrig ist und alles frisst.

Kauen beruhigt gestresste Hunde

Oft wird nicht erkannt, dass Stress hinter auffälligem oder krankhaftem Verhalten (zum Beispiel auch, wenn der Hund schlecht frisst) steckt. Wenn sich Hunde zum Beispiel an den Pfoten knabbern oder manisch belecken, ist oft Stress die Ursache. Auch durch das Kauen von Spielzeug, Möbeln oder Textilien beruhigen sich gestresste Fellnasen.

Diese Symptome können durch eine Überflutung von Umweltreizen ausgelöst werden. Auch zu intensives Training oder körperliche Überforderung, wie unpassendes Joggen oder Fahrradfahren, spielen eine Rolle. Tiefe Trauer, unklare Beziehungen im Familienverband oder Mobbing unter Hunden können ebenfalls Ursachen sein. In solchen Fällen hilft professionelle Unterstützung durch einen Hundetrainer oder Tierpsychologen.

Der Überlebensinstinkt

Das Fressen von allem, was herumliegt, ist in den Genen des Hundes verankert. Für seine Vorfahren haben gefundene Nahrungsmittel eine erhöhte Überlebenschance bedeutet, besonders bei erfolgloser Jagd. Diese instinktive Überlebensstrategie ist auch heute noch aktiv, obwohl sie oft keinen praktischen Nutzen mehr hat. Besonders bei Tierschutzhunden kann dieses Verhalten stärker ausgeprägt sein, da sie das Sammeln von Nahrung noch täglich praktizieren. Auch bei Welpen ist dieser Instinkt besonders ausgeprägt, da sie ihre Umwelt erkunden und lernen wollen.

Teil ihres Fressverhaltens

Oft fressen Hunde vermeintlich alles, weil es Teil ihres natürlichen Fressverhaltens ist. Während wir Menschen unsere Nahrung kauen, um sie besser zu verdauen, schlingen Hunde ihr Futter in großen Brocken hinunter. Als Halter hast du in diesem Fall nur wenige Sekunden Zeit, um einzugreifen. Je weiter der Hund entfernt ist, desto schwieriger wird es. Außerdem erkennt der Hund giftige Bitterstoffe oft erst im letzten Moment. Befinden sich diese in leckerem Futter, merkt er die Gefahr zu spät und kann nicht mehr reagieren.

Langeweile

Manche Hunde fressen alles, um Langeweile zu kompensieren. Andere tun es, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie wissen, dass ihr Halter aufgeregt reagiert, und nutzen dies strategisch, um Zuneigung zu erhalten. Wenn der Hund mit dieser Taktik Erfolg hat, wird er sie immer wieder anwenden. Um dieses Verhalten zu vermeiden, ist es wichtig, den Hund ausreichend zu beschäftigen und ihm genügend Aufmerksamkeit zu schenken.

Mein Hund frisst alles: Was kann ich tun?

Der Spaziergang mit Hundebegleitung kann durchaus zum Spießrutenlauf werden, wenn der Vierbeiner ständig irgendetwas aus dem Gebüsch zerrt und anknabbert. Die Angewohnheit ist zudem nicht ganz ungefährlich: Immer wieder liest man von feige ausgelegten Giftködern, denen Hunde dann zum Opfer fallen.

Sollte die geschilderte Situation bei dir und deinem Hund häufiger vorkommen, ist es an der Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Wir zeigen dir, was du tun kannst, um ihm das unkontrollierte Fressen möglichst wieder abzutrainieren.

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Training zur positiven Verstärkung

Die Grundidee beim Training zur Entwöhnung vom Allesfressen fußt auf einem einfachen Prinzip: Zeige deinem Hund, dass alles, was du ihm anbietest, spannender ist als das, was er selbst finden könnte. Da die meisten Hunde gerne mit Futter belohnt werden, kannst du diesen Aspekt in das Training einbauen. Ein Trainingsdummy zum Apportieren ist ideal dafür. Fülle den Dummy mit Leckerlis und verstecke ihn, sodass dein Hund ihn suchen muss. Hat er ihn gefunden, bringt er ihn zu dir zurück. Belohne ihn dann großzügig mit einem Leckerli und viel Lob.

Achte darauf, einen stabilen und farbenfrohen Dummy zu wählen, damit er leicht wiederzufinden ist. Verstecke oder werfe ihn so, dass dein Hund sich richtig anstrengen muss. Dies sorgt nicht nur für geistige Beschäftigung, sondern powert deinen Hund auch körperlich aus – Schnüffelarbeit ist für Hunde sehr anstrengend.

Schleppleine

Auch mit einer Schleppleine lässt sich Hunden ein unerwünschtes Fressverhalten beim Gassigehen abgewöhnen. Eine hochwertige Schleppleine ist meist aus Biothane gefertigt, einem sehr leichten und robusten Material. Die Schleppleine sollte an einem gut sitzenden Geschirr befestigt werden. Zur Sicherheit kannst du Handschuhe tragen, um Brandblasen zu vermeiden, falls dein Hund plötzlich losrennt.

Die Anwendung gestaltet sich relativ unkompliziert. Die Schleppleine wird immer leicht auf Zug gehalten, sie sollte weder durchhängen noch auf dem Boden schleifen. Trage die Leine in Schlaufen über die Hand gelegt. Läuft der Hund los und entfernt sich, lässt du die Leine frei. Kommt er zurück oder bleibt stehen, nimmst du sie wieder auf.

Und wenn es doch mal zu einer Vergiftung kommt?

Sollte dein Hund aller Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz Gift gefressen haben, lässt sich das meist an mehr oder weniger spezifischen Symptomen erkennen. Dazu zählen:

Solltest du zum Entschluss kommen, dass eine Vergiftung vorliegen könnte, solltest du umgehend zum Tierarzt fahren. Dieser kann entsprechende notfallmedizinische Maßnahmen einleiten.

FAQ

Wenn ein Hund unkontrolliert frisst, kann das viele Fragen aufwerfen. Wir haben diese gesammelt und beantworten sie in diesem Abschnitt.

Warum will mein Hund alles fressen?

Dieses Verhalten kann verschiedene Gründe haben. Dazu zählen unter anderem Stress, Hunger, Langeweile oder der sich darin manifestierende Überlebensinstinkt. Du kennst deinen Hund am besten und kannst daher am ehesten einschätzen, welche Ursachen infrage kommen.

Wie bringe ich meinem Hund bei, nicht alles vom Boden zu fressen?

Wenn dein Hund zu den Exemplaren gehört, die unkontrolliert vom Boden fressen, solltest du über eine Entwöhnung nachdenken. Die Suche nach einem mit Leckerlis gefüllten Dummy kann ihm zeigen, dass es spannende Alternativen gibt. Aber auch der Einsatz einer Schleppleine ist ein guter Tipp. 

Wann hört ein Welpe auf, alles zu fressen?

Dieses Verhalten ist bei Welpen ziemlich typisch. Etwa ein halbes Jahr nach Geburt hat ein Hund seine erwachsenen Zähne bekommen und verspürt nun weniger das Bedürfnis, auf allem herumzukauen. Normalerweise solltest du jetzt eine Verhaltens- und Wesensänderung feststellen können. Dein Welpe wird nicht mehr so sehr daran interessiert sein, alles ins Maul zu nehmen und generell deutlich ruhiger werden.

Fazit: Was mache ich, wenn mein Hund alles frisst?

Kommt dir das bekannt vor: Du kannst mit deinem Hund kaum ungestört Gassi gehen, weil er wie ein tierischer Staubsauger alles mehr oder weniger Fressbare inhaliert? Diese Angewohnheit kann viele Gründe haben, von Instinkten und Langeweile bis hin zu Stress und Hunger. 

Um dieses Verhalten abzugewöhnen, sind Geduld und gezieltes Training notwendig. Verwende Methoden wie die Schleppleine und Training mit Belohnung, um deinen Hund zu beschäftigen und zu motivieren. Achte auch auf seine Gesundheit und stelle sicher, dass er ausreichend gefüttert wird. Mit der richtigen Herangehensweise kannst du deinem Hund helfen, dieses Verhalten abzulegen und eure Spaziergänge wieder genießen.

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